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Sonnenschutz im Auto für Kinder? Aber sicher!

Sonnenblende, Rollo oder Gardine – welcher Sonnenschutz im Auto schützt vor allem Kinder und Babys während der Fahrt zuverlässig vor UV-Strahlung? Die verschiedenen Systeme haben alle ihre Vor- und Nachteile. Hier gibt es Antworten.

Deshalb ist ein Sonnenschutz für Kinder im Auto so wichtig

Um Haut und Augen vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen, empfehlen Experten, vor allem für die kleinen Mitfahrer einen zusätzlichen Sonnenschutz am Auto anzubringen. Da moderne Windschutzscheiben einen integrierten UV-Filter besitzen, schützt zwar die normale Verglasung der Frontscheibe bereits. Doch die Seitenscheiben können nur einen Teil der gefährlichen UV-Strahlung herausfiltern.
„Gerade bei einer längeren Autofahrt ist der Unterschied spürbar, wenn kein direktes Sonnenlicht auf die Insassen fällt“, informiert Alexa Sinz, die Leiterin der ADAC-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Einerseits wird durch den Sonnenschutz Wärme reduziert, andererseits aber auch die UV-Strahlen, die durch die Scheibe dringen (UVA-Strahlung). Für Kinder ist dies um so wichtiger, da ihre Haut empfindlicher ist als die eines Erwachsenen, der unbewusst den Arm aus der direkten Sonne nehmen oder den Ärmel herunterkrempeln würde. Ein Säugling kann das nicht“, gibt Alexa Sinz zu bedenken.
Wer seine Scheiben mit einer Folie oder mit abnehmbarem Sonnenschutz versehen will, sollte sich vorher informieren, was erlaubt ist. Eine Verdunkelung der Scheiben unterliegt gesetzlichen Vorgaben, weil Autoscheiben zu den sicherheitsrelevanten Bauteilen eines Pkw zählen. Konkret heißt das: Nur die Fenster hinter der B-Säule dürfen abgedunkelt werden, nicht die Windschutzscheibe oder die vorderen Seitenscheiben (s. auch auf der Seite des ADAC.

Das passiert ohne Sonnenschutz

„Da sich bei warmen Außentemperaturen das geparkte Fahrzeug in kürzester Zeit im Innenraum auf rund 60 Grad aufheizt, und das auch bei leicht geöffnetem Fenster, ist das für Kinder lebensbedrohlich. Kinder und Tiere sollten im Sommer niemals im Auto zurückgelassen werden, auch nicht für kurze Zeit“, weiß die Leiterin der ADAC-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die noch einen interessanten Tipp auf Lager hat: „Wenn du dein Auto an einem heißen Sommertag parkst, decke den Kindersitz mit einem hellen Tuch ab.“
Übrigens: ADAC-Testingenieure haben herausgefunden, dass die Lackfarbe des Autos über die Innentemperatur entscheidet. Die Oberfläche eines schwarzen Fahrzeugs hat sich in der Mittagshitze mit hochstehender Sonne auf 65 Grad Lacktemperatur erhitzt, die des weißen Autos dagegen nur auf 44 Grad. Die Lackaußentemperatur überträgt sich zwar geringer ins Fahrzeuginnere, der Temperaturunterschied ist aber für den Körper spürbar.
Konkret heißt das: Die Temperatur im Innenraum des weißen Autos war bei den Messungen der ADAC-Experten um fünf Grad kühler als im schwarzen Auto.

Arten von Sonnenschutz für Kinder im Auto

Dermatologen empfehlen schon nach 30 Minuten Autofahrt zusätzlichen Schutz – etwa durch Sonnencreme. Wer das vermeiden möchte, besorgt sich deshalb einen Sonnenschutz für sein Auto. Die Auswahl ist hier allerdings riesig – der Handel bietet etliche Sonnenschutzsysteme für Autofenster an. Die verschiedenen Modelle haben dabei alle ihre Vor- und Nachteile, die wir im folgenden beleuchten.

Individueller Sicht- und Sonnenschutz

Den stabilen Rahmen aus lichtechtem Stoff passt man individuell an die Autoscheiben an. Sie spannen ihn einfach an die Rahmen der Fenster von innen auf – mit einem Haltersystem mit Clips oder zum Kleben, also ohne lästige Saugnäpfe, die früher oder später oft abfallen. 
Vorteile:
  • Während der Fahrt lassen sich die Fenster öffnen. Dabei sind die Insassen vor Wind und Insekten geschützt.
  • Im Fahrzeug ist es deutlich kühler als ohne den Sonnenschutz.
  • Der Fahrer wird tagsüber vor Sonne und nachts vor blendenden Scheinwerfer geschützt.
  • Benötigt man den Sonnenschutz nicht, liegt er in einer Tasche verpackt im Kofferraum.
  • Der verdunkelnde Rahmen schützt vor unliebsamen Blicken in das Fahrzeuginnere.

Sonnenblenden

Die klassische Sonnenblende für das Auto kann die seitlichen Fenster abdecken. Es gibt sie in verschiedenen Größen, Farben und Muster.
Vorteil: Das Anbringen gelingt mit Saugnäpfen recht einfach. Je nach Hersteller gibt es auch selbsthaftende Sonnenblenden oder solche, die sich mit einem Klettverschluss anbringen lassen.
Nachteile:
  • Nicht ideal sind Sonnenblenden mit Saugnäpfen, da diese nicht immer ideal halten und man die Scheiben nach Nutzung reinigen muss.
  • Bei herkömmlichen Sonnenblenden wird nur ein Teil der Scheibe abgedeckt.
  • Die Sonnenblenden sind unbeweglich.
  • Die Fahrt mit geöffneter Fensterscheibe ist mit angebrachten Sonnenblenden nicht möglich.

Sonnenschutzrollos

Rollos haben den Vorteil, dass sie dauerhaft montiert bleiben können. Bei Nichtbenutzung rollt man sie einfach ein. Die Autofenster lassen sich auch trotz heruntergelassenem Sonnenschutzrollo öffnen.
Die Rollos können an der Heckscheibe und an den hinteren Seitenscheiben angebracht werden. Befestigen lässt sich der Sonnenschutz entweder mit Saugnäpfen (Gefahr des Abfallens!) oder durch Haken am oberen Ende der Scheibe.

Folien als Sonnenschutz für Kinder im Auto

Folien werden passgenau und dauerhaft auf die Innenseite der Scheibe geklebt. Aufgrund von statischen Aufladungen haften Folien faltenfrei an der Autoscheibe. Netter Nebeneffekt: Dadurch können Sie die Folien beliebig oft wiederverwenden.
Es gibt die Folien in diversen Lichtdurchlässigkeitsstufen. Ob lichtdicht geschlossen oder perforiert – das hängt von Ihren Präferenzen und letztendlich auch vom Geschmack ab.

Lichtdichte Variante

Die lichtdicht geschlossene Folie verdunkelt den Innenraum nahezu komplett. Im Inneren Ihres Fahrzeugs bleibt es mit einer solchen Folie angenehm kühl. Sie eignet sich vor allem bei abgestellten Fahrzeugen – etwa auf dem Camping- oder Parkplatz.

Perforierte Variante

Die perforierte und abgetönte Folie ist während der Autofahrt hilfreich. Damit wird auch Ihre sichere Teilnahme am Straßenverkehr nicht gefährdet.

Sonnenschutzgardine

Ähnlich wie beim Rollo reguliert eine Sonnenschutzgardine den Lichteinfall am Seitenfenster individuell. Je nach Stoffqualität lässt sich auch der Fond komplett abdunkeln. Befestigt werden die Sonnenschutzgardinen meistens mit Saugnäpfen, die möglicherweise nicht hundert Prozent halten und vor allem bei Wärme abfallen.
Vorteil: Die Gardinen lassen sich an das jeweilige Seitenfenster anpassen, die Seitenscheibe kann auch mit der Gardine geöffnet werden.

Sonnenschutzüberzüge

Man zieht sie über die obere Hälfte der gesamten hinteren Autotür.
Vorteile:
  • Sie sind praktisch und einfach zu montieren.
  • Beim Schließen der Tür bleibt das elastische Material straff gespannt.
  • Die Scheiben lassen sich problemlos öffnen, der Sonnenschutzüberzug funktioniert gleichzeitig als Fliegenschutzgitter.
  • Nach der Nutzung nimmt der zusammengefaltete Überzug wenig Platz im Auto ein.

Nachteil: Der Sonnenschutz lässt sich während der Fahrt nicht regulieren.

Alexa Sinz arbeitet als Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim ADAC Nordbaden.


Bildnachweise: JenkoAtaman, AdobeStock